Wozu soll Angst denn gut sein?

Ein Gastbeitrag von Steffen Zöhl

Wozu soll Angst denn gut sein?

Diese Frage höre ich häufiger. Das mag zum einem daran liegen, dass ich mich in meiner ‚Praxis Der

Zuhörer‘ schwerpunktmäßig mit Ängsten, Phobien und Stress befasse. Zum anderen fällt es vielen Menschen

schwer, etwas Positives in ihren Ängsten zu finden.

 

Wenn ich mit Angstklienten arbeite, gehe ich gerne stufenweise vor:

 

Ich erkenne meine Angst.

Zunächst gilt es, sich bewusst zu machen, wann/in welchen Situationen die Angst sich zeigt und wie sie

genau empfunden wird, welche Gedanken damit verbunden sind. Die Möglichkeit, im Rahmen der

Psychoedukation die Symptome und Zusammenhänge besser zu verstehen, kann von Klienten schon als

entlastend empfunden werden.

 

An dieser Stelle nutze ich manchmal die Hypnose, um einen Klienten (m/w) in die Entspannung zu führen

und der eigenen Angst auf eine neue Weise zu begegnen. Einige Ängste wurden in der Kindheit begründet.

Hier kann eine kleine „Zeitreise“ in der Trance, in der dieses erste Angsterleben emotional repariert wird,

sehr hilfreich sein. Wenn das initiale Ereignis geheilt und die emotionale Wunde geschlossen wurde, bleibt

eine neutrale Erinnerung an das Ereignis. Die emotionale Kopplung als Angstauslöser wird jedoch getrennt.

Ich erkenne meine Angst an.

 

Zu akzeptieren, dass Ängste zum Leben gehören und, dass es nicht darum geht, sie auszulöschen, sondern in

ihrem Ausmaß zu reduzieren, ist der nächste Schritt.

 

Ich suche & finde eine positive Absicht / Botschaft.

Allein die Möglichkeit, dass Ängste eine positive Wirkung oder Absicht haben könnten, erscheint manchen

Klienten abwegig. Sobald jemand diesen Gedanken jedoch zulässt, findet er/sie meist recht schnell eine

positive Absicht. Oftmals hat es etwas mit Schutz, Vorsicht oder einer Verletzung in der Kindheit zu tun.

Um das Finden der positiven Absicht zu erleichtern, lasse ich Klienten sich die Angst vorstellen und z.B. auf

einem Stuhl Platz nehmen.

 

Meist wird die Angst im ersten Moment als groß, gefährlich, hässlich und/oder

bedrohlich beschrieben. Sobald die Angst einen Platz gefunden hat und der Versuch unternommen wird, in

Kontakt zu treten, erscheinen sie meist kleiner, freundlicher und weniger bedrohlich. Ängste, die sich

wahrgenommen fühlen und nicht (wie ansonsten) verdrängt, sind meist sehr kommunikativ und kooperativ.

Sie geben sich als „Freund in Verkleidung“ zu erkennen. Oft sind sie erst groß geworden, weil sie verdrängt

wurden. Sie wollen gesehen und verstanden werden.

 

Sobald Klienten versuchen, über die Intensität der Angst zu sprechen, anstelle des Verweigerns, Ablehnens oder Verdrängens, zeigen Ängste Verständnis und Kooperationsbereitschaft. Den visualisierten Ängsten ist meist nicht bewusst, was ihr Auftreten für die Klienten bedeutet.

 

Ich verstehe meine Angst.

In dem Moment, in dem ein/e Klient/in diese positive Absicht der Angst gefunden hat, entsteht regelmäßig

ein Verständnis. Hier geht es meist darum, die Intensität des Auftretens abzustimmen. Oftmals werden die

visualisierten Ängste nun als kleine Begleiter, Freunde oder motivierende/anspornende Charaktere

wahrgenommen.

 

Ich danke meiner Angst.

Mit dem Verständnis zeigt sich dann auch eine Dankbarkeit und Versöhnlichkeit. Ich nehme meine Angst als einen Teil von mir an.

 

Wenn die Angst nicht mehr als Feind betrachtet wird, sondern als Freund, der es gut gemeint hat, können

Klienten, diese als Teil ihrer Persönlichkeit und ihres Lebens annehmen.

 

Wichtig ist mir in diesem Zusammenhang, stets andere Ursachen für Ängste (z.B. Medikamente, Drogen,

Herzerkrankungen, Schilddrüsenüberfunktion) durch ärztliche Prüfung auszuschließen. Die beste Psycho-

therapie wird nicht erfolgreich sein können, wenn die Ursachen an anderer Stelle liegen.

 

 




Meine Geschichte „Fendur – der große Schrecken“ beschreibt für mich anschaulich, wie ein solcher Prozess

aussehen kann.

 

 

 

 

 

 

Steffen Zöhl ist Heilpraktiker für Psychotherapie (HPP) mit Praxis in Berlin.  Er beschäftigt sich dort hauptsächlich mit den Themen Ängste / Phobien, Stress, Selbstwertgefühlen  und diversen Beziehungsthemen (Paare , Liebeskummer, Trennung, Eifersucht, Trauer, etc.) und Teams (Konflikte, Motivation, Kommunikation) und er nutzt unter anderem auch die Hypnose um Blockaden aufzulösen.

 

http://derzuhoerer-berlin.de/

 

Für den Inhalt des Beitrags ist der Autor verantwortlich.

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